Pflegestufe beantragen

Wenn Sie eine Pflegestufe beantragen, kündigt sich einige Zeit später ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) an. Hier erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Formalitäten des Besuchs.

Viele Angehörige unterschätzen die Zeit, die z. B. für Hilfe beim Ankleiden aufgewendet wird.
Foto: ASB/F. Zanettini

Wer im Vorfeld des Besuchs einige Tipps beachtet, verbessert seine Chancen auf die passende Einstufung bei der Pflegeversicherung.

Wie beantragt man Leistungen der Pflegekasse?

Einen Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit können Pflegebedürftige selbst oder ihre Angehörigen stellen. Es genügt ein formloses Schreiben an die jeweilige Krankenkasse, oder Sie fordern bei der Pflegekasse ein Antragsformular an.

Ist der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen, können noch bis zu sechs Wochen vergehen, ehe sich der Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung ankündigt. Der Besuchstermin wird Ihnen entweder schriftlich oder telefonisch mitgeteilt. Die Ärzte des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung besuchen den Antragsteller dann in seiner Wohnung und begutachten, ob und in welcher Stufe Pflegebedürftigkeit besteht.

Wie bereitet man sich auf die Begutachtung vor?

Um eine möglichst gerechte Einstufung zu erzielen, sollten Sie sich auf den MDK-Termin vorbereiten.

Dazu gehört z.B. das Anlegen eines Pflegetagebuchs, in dem Sie etwa zwei Wochen lang vor dem Besuch des Gutachters die genauen Pflegezeiten in den Bereichen Ernährung, Körperpflege, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung notieren.

Mit diesen Angaben als Grundlage kann man dann bereits die zu erwartende Pflegestufe einschätzen. Zudem ist das Tagebuch eine große Hilfe für den Gutachter.

Gute Grundlage: Das Pflegetagebuch

Pflegende Angehörige sollten jedoch beim Ausfüllen darauf achten, den Zeitaufwand für die Pflegetätigkeiten nicht zu gering anzusetzen. Häufig unterschätzen sie Umfang und Dauer des Hilfebedarfs. Dokumentieren Sie deshalb auch kleine Handreichungen im Pflegetagebuch. Erst so erhält der MDK ein realistisches Bild vom Zeitaufwand der Pflegemaßnahmen. Die meisten Kranken- bzw. Pflegekassen bieten solche Pflegetagebücher kostenlos an.

Zum MDK-Termin sollten Sie außer dem Pflegetagebuch Hausarzt- oder Krankenhausberichte bereithalten, ebenso wie Medikamente oder andere benötigte Hilfsmittel.

Die Pflegebedürftigkeit wird seit dem 1. Januar 2017 neu bewertet. Entscheidend ist nicht mehr der Zeitaufwand für die Pflege, sondern die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen.

Wie verläuft die Begutachtung?

Der MDK-Beauftragte überprüft bei seinem Besuch, welche Hilfe der Pflegebedürftige im Alltag (Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Mobilität, hauswirtschaftliche Versorgung) benötigt. Zusätzlich werden einige Untersuchungen durchgeführt, z.B. zur Beweglichkeit des Betroffenen. Kann der Pflegebedürftige noch sicher gehen? Können die Arme hinter dem Rücken verschränkt werden?

Der Gutachter des MDK beurteilt auch, ob Rehabilitation oder der Einsatz von Hilfsmitteln für den Antragsteller sinnvoll sind.

Keine falsche Scham

Die Begutachtung ist vielen älteren Menschen unangenehm. Oft geben sie dem Gutachter deshalb beschönigende Antworten oder verschweigen, dass sie Hilfe für alltägliche Verrichtungen benötigen.

Dies kann eine Beurteilung des wirklichen Pflegebedarfs erschweren und eine zu niedrige Einordnung in eine Pflegestufe zur Folge haben. Daher ist es empfehlenswert, dass Angehörige oder der zuständige Pflegedienst während der Begutachtung anwesend sind.

Erfolgreich Widerspruch einlegen

Wird die beantragte Pflegestufe abgelehnt oder fällt die Einstufung zu niedrig aus, sitzt der Schock meist tief. Betroffene und pflegende Angehörige haben das Recht, innerhalb von vier Wochen nach Eingang des Bescheids Widerspruch einzulegen. Dazu genügt zunächst ein formloses Schreiben an die Pflegekasse. Weisen Sie darauf hin, dass eine ausführliche Begründung des Widerspruchs nachgereicht wird. Auch hierbei kann das Pflegetagebuch eine wichtige Hilfe sein.

Sollte der Widerspruch auch nach dem Zweitgutachten nicht anerkannt werden, bleibt als letzter Schritt die Klage vor dem Sozialgericht. Doch auch wenn sich das Verfahren einige Monate hinziehen kann, so stehen die Chancen für einen Erfolg vor Gericht erfahrungsgemäß gut.